Nachruf auf Frank Berghaus

Frank Berghaus ist am 23. November gestorben, und ich möchte Uwe Lehnerts Nachruf zu Frank Berghaus Tod hier teilen.

Frank war eine schillernde Persönlichkeit, hatte umfangreiches Allgemeinwissen, das er täglich weitergab, weil ihm Bildung wichtig war, ein aufrichtiger Mann und inspirierender Humanist, Initiator des islamkritischen Blogs PI (politically incorrect), der Initiative Humanismus, der Jugendorganisation der Giordano-Bruno-Stiftung.

Frank sollte neuer Hauptautor des Blogs des Humanistischen Verbands Österreichs werden, wir waren uns einig, dass er wissen-bloggt dort weiterführen will.

Frank hatte Kritiker, die meine Freunde waren – das zeichnete ihn als polarisierenden und vielfältigen Menschen aus.

Frank war mein ständiger Streit- und Denkpartner, und er hinterlässt eine Lücke, die ich menschlich und thematisch nur schwer schließen kann.

Und ich bin traurig.

Hier ist Uwe Lehnerts Nachruf:

Gestern, 24. November 2021, erreichte mich die Meldung, dass Frank Berghaus gestorben ist. Eine solche Meldung macht betroffen, ist ein solcher Abschied doch von traurig machender Endgültigkeit.

Frank Berghaus war der erste, der meine Idee einer Humanistischen Partei aufgriff. Ich hatte sie in der 4. Auflage meines Buches »Warum ich kein Christ sein will«, erschienen bereits im Jahr 2011, erstmalig skizziert und in den späteren Auflagen präzisiert. Frank Berghaus war von dieser Idee sofort sehr angetan und entwickelte sie zusammen mit mir und einigen Interessenten weiter. Im Laufe der folgenden Monate bildete sich daraufhin die »Initiative Humanismus«, die sich dann der Ausarbeitung eines breit angelegten Programms einer humanistischen Partei widmete. Im Jahr 2014 gründeten wir – Frank Berghaus, ich und weitere acht Mitglieder der Gruppe »Initiative Humanismus« – die »Partei der Humanisten«. Es bleibt das Verdienst von Frank Berghaus, diese ursprüngliche nur auf dem Papier stehende Idee dank seiner Tatkraft und Beharrlichkeit als politische Partei entscheidend mit realisiert zu haben.

Frank Berghaus war eine Führungspersönlichkeit, war inspirierend und konnte begeistern. Er war als Mensch aber nicht einfach zu nehmen. Es mag seine Ungeduld gewesen sein, die ihn im Umgang mit den Mitwirkenden mitunter sehr bestimmend werden ließ. Er wollte die Idee einer humanistischen Partei möglichst schnell Wirklichkeit werden lassen. Durch sein Verhalten zogen sich aber viele seiner Mitstreiter zurück.

Die unter der jetzigen Führung stehende Partei der Humanisten war bei der letzten Bundestagswahl enttäuschend erfolglos. Das mag zum einen damit erklärbar sein, dass sie sich von den ursprünglichen Zielsetzungen entfernt hat. Ihr fehlen darüber hinaus charismatische Führungspersönlichkeiten und die nötigen Geldmittel, ohne die eine Partei ohne jede Öffentlichkeitswirkung bleibt. Das ändert nichts an der entscheidenden Mitwirkung von Frank Berghaus bei der Entwicklung eines ersten wegweisenden Konzepts einer humanistischen Partei. Dieser erste, gründlich durchdachte Entwurf wird immer mit seinem Namen verbunden bleiben. Langfristig werden sich die Ideen und Vorstellungen humanistischen Denkens dank solcher Vorarbeiten politisch durchsetzen. Vermutlich eher nicht als eigenständige Partei, eher als eine die gesamte Gesellschaft prägende Reihe von Prinzipien humanistischen Denkens. Historiker werden dereinst mit gutem Grund auch auf den Namen Frank Berghaus stoßen.

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2 Antworten

  1. Dr. Lorenz Edlkofer sagt:

    Ein wunderbarer Kommentar von Ihnen, und auch von Prof. Lehnert.

    Wer Konfliktratgeber liest, lernt meist Regeln für sanftes Streiten: immer sachlich bleiben und ohne direkte Kritik seinen Standpunkt vertreten. Psychologen der neuen Schule halten davon nicht viel. Sie betrachten Streit als normalen und wichtigen Teil des Alltags. Schließlich müssen Kollegen oder Nachbarn Konflikte austragen, in Beziehungen muss ein Partner dem anderen zeigen, wenn er gekränkt ist – und das geht eben nicht immer ruhig und sachlich. Trotzdem: Gutes Streiten kann man lernen, und zwar ohne sich so zu verbiegen, wie die Ratgeber der alten Schule es verlangen.

    Sie haben das gemeinsam bestimmt wunderbar gemacht.

  2. Leider richtet das Leben und Sterben sich nur selten nach unseren Plänen. Frank Berghaus und ich wollten uns noch ein wenig Zeit lassen bei der vollständigen Übernahme von “Wissen bloggt” lassen, die neben der thematischen auch ein vollkommene Umgestaltung des Designs und der Rubriken bedeuten wird. Erst am vergangenen Sonntag hatte er mich noch einmal gebeten, das “Humanistische Manifest” nicht vollständig von der Seite zu entfernen, sondern zumindest in Artikelform stehen zu lassen. Nun aber werde ich – römisch-katholischer Theologe, Philosoph und Historiker – dieses Manifest in Erinnerung an den Gründer des Blogs als festen Bestandteil der Netzpräsentation als eigene Rubrik stehen lassen. Ich vermisse Frank!

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