Der Angriff auf die Ukraine

Und wieder ist etwas geschehen, was ich nicht für möglich gehalten habe. Natürlich gab es weltweit viele andere, beachtenswerte und unfassbare Dinge, und auch wenn es ganz unterschiedliche Ereignisse waren, so hinterlassen sie Spuren in meinem Denken. Niemals habe ich den Mauerfall 1989 für möglich gehalten, niemals habe ich gedacht, dass es 1991 dann zehn Jahre lang die die postjugoslawischen Kriege vor meiner Haustür geben würde, und niemals habe ich gedacht, dass ein Diktator dann noch einmal einen Krieg vor meiner Haustür anzettelt.

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Die Grenze der Ukraine ist von meiner Haustür 550km entfernt, wenn ich die 550km nicht in den Osten, sondern in den Westen abzirkle, dann lande ich so ungefähr bei Ulm, und da stellt sich bei mir plötzlich ein Gefühl von unmittelbarer Betroffenheit ein.

Ich versuche es, zu verstehen, doch es ist unfassbar, 33 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs herrscht wieder Krieg in Europa. Putin akzeptiert nicht die Grenzen anderer Staaten, auch wenn er 1991 einem Nichtangriffspakt zugestimmt hat. Er hat einen verbrecherischen Angriffskrieg begonnen, und das Völkerrecht damit außer Kraft gesetzt.

Wir dürfen nicht wegschauen. Der Westen trägt einen großen Teil von Verantwortung für diesen Krieg, der akribisch auf russischer Seite vorbereitet wurde. Wir können und dürfen dieses Mal nicht wegschauen, wir dürfen nicht aufgeben, Frieden in die Welt zu tragen, und nicht aufhören, die Schuld auch bei uns zu suchen, durch unser Stillschweigen, als Russland nach der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine 1991 dann 2014 die Krim annektiert hat. Und wir geschwiegen haben, aus Angst vor einer Ausweitung auf einen Weltkrieg, wie 100 Jahre zuvor.

Und nun hat sich China auf die Seite Putins gestellt, der mit seinen Phantasievorstellungen von Atomwaffen spricht. Das ruft Gedanken an ein neues Weltkriegsszenario auf, die „Heim ins Reich“-Forderung Putins, die Verbündeten, die Unverbindlichkeit politischer Aussagen, die einfach revidiert werden, und keine Verlässlichkeit im Umgang mit anderen mehr zeigen.

Nein, ich rufe nach keinem Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg, diese Lösung lehne ich ab. Ich rufe nach einer friedlichen Lösung des Konflikts, mit den härtesten, jedoch nicht menschenvernichtenden Waffen.

Die haben wir. Ein Anfang wurde getan, nun müssen die nächsten Schritte folgen.

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